Sozialkaufhäuser der Diakonie möchten für mehr Nachhaltigkeit beim Kleiderkauf sensibilisieren


„Leider müssen wir mittlerweile von den Spenden immer mehr Kleidung aussortieren, weil sie nicht mehr zu verkaufen oder zu verwerten ist“, berichtet Heike Göbel aus dem Kaufhaus in Saarlouis. Schuld daran sei der steigende Anteil von „fast fashion“.

Während des Lockdowns haben viele Menschen ihre Schränke durchgeschaut, Kleidung aussortiert und gespendet. Davon profitierten auch die Sozialkaufhäuser der Diakonie Saar in Neunkirchen, Völklingen und Saarlouis. Denn, wer möchte, dass Menschen in der Region noch von den Kleidungsstücken profitieren können, kann die Sachen vor Ort abgeben. Die Sozialkaufhäuser haben dabei den Anspruch, ihren Kundinnen und Kunden Qualität  anzubieten. Doch das wird immer schwieriger.

 

An den drei Standorten werden die Spenden von Teilnehmenden an Arbeitsmarktmaßnahmen sortiert und aufbereitet. Ansprechend ausgestellt können arme Bürgerinnen und Bürger die Kleidung für kleines Geld erwerben. „So geben wir Bedürftigen die Würde, aus einem Sortiment auszuwählen und Langzeitarbeitslosen die Gelegenheit einer sinnvollen Beschäftigung“, erklärt Heike Göbel, Diakoniemitarbeiterin im Sozialkaufhaus Saarlouis. Das Bemühen dahinter ist aber auch die Nachhaltigkeit: Gute Kleidung bleibt dem Warenkreislauf erhalten. Damit würden Müll vermieden und Ressourcen gespart.  

 

„Leider müssen wir mittlerweile von den Spenden immer mehr Kleidung aussortieren, weil sie nicht mehr zu verkaufen oder zu verwerten ist“, sagt Göbel. Schuld daran sei der steigende Anteil von „fast fashion“, also von billig erworbener Kleidung mit Mischgewebe, aus dem nicht mal mehr Putzlappen produziert werden könnten.  Und das ist auch Thema bei dem Dachverband „Fairwertung“, dem die Sozialkaufhäuser angeschlossen sind. Während früher rund 80 Prozent der Kleidung einen neuen Zweck zugeführt werden konnten, sind es heute nur noch rund 50 Prozent.

 

„In den Kaufhäuser versuchen wir das etwas abzufangen, indem wir in unseren Kreativmaßnahmen die Stoffe auchfür upcycling-Produkte, wie Taschen oder Kissenhüllen, verwenden“, so Göbel. „Leider müssen wir dennoch immer mehr wegschmeißen.“  So entstehen für die Einrichtungen nicht nur höhere Müllkosten, auch den Kundinnen und Kunden kann weniger Kleidung guter Qualität angeboten werden. „Das ist für uns ein Verlust von Teilhabe, die wir unseren Kundinnen und Kunden weniger bieten können“, erklärt Göbel. Und der Kleidermarkt gerate in einen Teufelskreis: Da es keine guten Second-hand-Kleidungsstücke mehr gibt, seien Menschen mit kleinem Geldbeutel selbst darauf angewiesen, Billigklamotten kaufen zu müssen, die wiederum nicht lange hielten.

 

„Wir sollten uns daher alle schon beim Kleiderkauf bewusst machen, dass wir die Billigware nicht nur selbst nur kurz tragen können, sondern auch danach niemand mehr von den Kleidungsstücken profitieren kann“, wünscht sich die Diakoniemitarbeiterin.  So würde dann auch die Qualität der Spendenkleidung wieder steigen.





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